Hochverfügbare Lichtschalter: Home Assistant ist bei uns eingezogen

Bei uns hat Home Assistant die Regie übernommen – als Hyper-V-VM mit Replikation auf einen zweiten Host, versteht sich. Warum die vorhandenen Zigbee-Geräte einfach weiterlaufen, wieso die Sprachsteuerung jetzt im Haus bleibt und weshalb das Auto lädt, wenn Sonne oder Strompreis es hergeben.

ConsultingHarald Mühlhoff 5 Min. Lesezeit

Zu Hause hat ein neues Stück Software die Regie übernommen: Home Assistant, das Open-Source-Projekt für Heimautomatisierung. Der Reiz liegt in zwei Worten: lokal und herstellerunabhängig. Alles läuft im eigenen Haus, nichts hängt an der Cloud eines Anbieters – und Geräte verschiedenster Hersteller reden plötzlich miteinander. Dass die Sache dann doch etwas gründlicher geraten ist als geplant, war absehbar.

Die Architektur: einmal Berufskrankheit, bitte

Man kann den Architekten aus dem Firmenprojekt nehmen, aber nicht das Firmenprojekt aus dem Architekten. Home Assistant läuft bei uns deshalb nicht auf einem Bastelrechner im Schrank, sondern als virtuelle Maschine auf einem kleinen Hyper-V-Host – und wird per Hyper-V Replica fortlaufend auf einen zweiten Mini-PC gespiegelt. Fällt die Hardware aus, startet die komplette Installation binnen Minuten auf dem anderen Gerät. Dazu kommen die Alltagsvorteile jeder VM: ein Snapshot vor jedem Update, ein Umzug ist eine Kopie. Seine Konfiguration sichert Home Assistant zusätzlich automatisch auf das Synology-NAS. Von unterwegs geht es über einen eigenen verschlüsselten Zugang ins Haus (WireGuard) – ganz ohne Cloud-Abo. Braucht man das alles für Lichtschalter? Nein. Beruhigt es? Ungemein.

Zigbee: die vorhandenen Geräte ziehen einfach mit um

Der für uns wichtigste Punkt vorab, weil er oft untergeht: Zigbee ist ein offener Funkstandard. Die Lampen, Steckdosen und Sensoren, die heute am Hub eines Herstellers hängen, sind nicht an ihn gekettet. Bei uns funkten die Philips-Hue-Lampen jahrelang über den eingebauten Zigbee-Hub der Amazon-Echo-Geräte; „Alexa, Licht an“ war der meistgesprochene Satz im Haus. Der Umzug war eine bewusste Entscheidung mit einem einmaligen Preis: jedes Gerät kurz zurücksetzen und am eigenen Netz neu anlernen – ein Koordinator mit Netzwerkanschluss statt USB-Stick, darüber die Software Zigbee2MQTT. Seitdem: kein Neukauf, keine App-Pflicht, ein System statt drei Insellösungen. Wer schon Zigbee-Geräte besitzt, hat den halben Einstieg bereits im Haus.

Und weil Vertrauen gut, Redundanz aber besser ist, lag irgendwann die Frage auf dem Tisch, ob man zwei Zigbee-Koordinatoren im Failover betreiben kann. Dass sich diese Frage bei einem Familien-Smart-Home überhaupt stellt, sagt vermutlich mehr über mich als über die Technik. (Die Antwort: Ein echtes Failover kennt Zigbee nicht – aber ein Backup des Koordinators samt Netzwerkschlüsseln macht das Ersatzgerät zum Kaltstart-Zwilling, ohne dass ein einziges Gerät neu angelernt werden muss.)

Die Stimme bleibt – sie wohnt jetzt nur hier

„Licht an“ funktioniert übrigens weiterhin auf Zuruf. Nur nimmt den Befehl inzwischen die offizielle Sprach-Hardware des Home-Assistant-Projekts entgegen: Weckwort „Okay Nabu“, eine deutsche Sprach-Pipeline, komplett lokal ausgewertet. Kein Wort verlässt das Haus, kein Konto lauscht mit. Es ist ein eigenartig gutes Gefühl, wenn die Sprachsteuerung auch dann funktionieren würde, wenn das Internet ausfällt. (Und das Standard-Weckwort ist nur ein Provisorium – ein eigenes ist bereits in der Mache.)

Die Automatisierungen: hier beginnt der Spaß

Der Einstieg sind Kleinigkeiten – Licht und Szenen, eine Nachricht aufs Handy, wenn etwas Aufmerksamkeit braucht. Nichts davon rechtfertigt allein den Aufwand; zusammen fühlt es sich schnell so an, als hätte das Haus ein Nervensystem bekommen.

Mehr als Komfort: Rauchmelder und eine Kamera mit eigenem Kopf

Richtig interessant wird es dort, wo aus Komfort Sicherheit wird. Die smarten Rauchmelder sind über ihre Basisstation lokal angebunden und melden sich zentral in Home Assistant: Schlägt einer an, weiß es das ganze Haus – und das Handy auch, egal ob jemand daheim ist. Nebenbei behält das System Batteriestand und Erreichbarkeit jedes einzelnen Melders im Blick, statt es dem gelegentlichen Piepsen im Treppenhaus zu überlassen.

Die neue Reolink-Kamera bringt ihre eigene KI gleich mit: Sie erkennt direkt auf dem Gerät, ob sich eine Person, ein Fahrzeug oder ein Tier im Bild bewegt – die Auswertung passiert in der Kamera selbst, kein Bild muss dafür in eine Cloud. In Home Assistant kommen diese Erkennungen als schlichte Sensoren an und lassen sich mit allem verknüpfen: Benachrichtigung, Licht, Aufzeichnung. Die Aufzeichnung bleibt dabei genauso im Haus wie alles andere: Die Videostreams landen auf dem NAS, nicht im Abo-Cloudspeicher eines Herstellers. KI im Alltag muss eben nicht spektakulär sein – manchmal ist sie schlicht der Unterschied zwischen „irgendetwas bewegt sich“ (ein Ast im Wind) und „eine Person steht vor der Tür“.

Das Highlight: das Auto lädt, wenn es sinnvoll ist

Die Automatisierung, für die sich alles gelohnt hat, ist die Ladesteuerung. Drei Zutaten, alle lokal: Der PV-Speicher verrät per Modbus TCP laufend, was vom Dach kommt, was das Haus verbraucht und ob der Akku gerade lädt oder entlädt – die Hersteller-App möchte dafür eigentlich in ihre Cloud, aber im lokalen Netz spricht das Gerät schlicht Modbus. Die Wallbox lässt sich über dasselbe Protokoll die Ladefreigabe erteilen oder entziehen. Und Home Assistant sitzt dazwischen und entscheidet je nach Modus: Aus, PV (geladen wird nur der Überschuss vom Dach), Preis (geladen wird, wenn der dynamische Stromtarif günstig ist) oder Manuell. Die Schwellwerte sind Schieberegler im Dashboard, ein Watchdog räumt auf, wenn ein Sensor einmal nicht antwortet.

Eine Lektion am Rande: Eine freigegebene Wallbox ist für ein E-Auto keine Option, sondern eine Einladung – unseres fängt schlicht an zu laden. Die Freigabe ist die Steuerung. Seitdem lädt das Auto bevorzugt dann, wenn die Sonne liefert oder der Strom günstig ist, und niemand muss mehr daran denken.

Unterm Strich ist das dieselbe Arbeit wie in unseren Kundenprojekten: Systeme verschiedener Hersteller zum Reden bringen, mit sauberen Schnittstellen, Überwachung und einem Plan B. Nur der Auftraggeber ist diesmal die eigene Familie – der anspruchsvollste Kunde von allen.

Ihr Harald Mühlhoff

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