Sabine Zgraggen leitet in Zürich die katholische Spital- und Klinikseelsorge – Theologin und Managerin. gedankenfotografie.ch ist ihre private Seite: Sie fotografiert seit Jahren – Straße, Kirchenraum, Porträt, Zeitgeschehen – und schreibt zu ihren Bildern kurze Gedanken. Über 300 Bilder und mehrere Dutzend kleine Texte lagen bisher auf einer Baukasten-Seite, die ihnen nicht gerecht wurde. Uns verbindet eine Freundschaft, die ihren Ursprung vor Ewigkeiten in der fotocommunity hatte; insofern ist es passend, dass ich meinen aktuellen Besuch in der Schweiz genutzt habe, um gedankenfotografie.ch mit Claude-Unterstützung einen frischen Start zu ermöglichen. Ein Blick hinter die Kulissen.
Ein Satz als Pflichtenheft
Die meisten Projekte beginnen mit einer Liste. Dieses begann mit einem Satz:
„Es soll urban rüber kommen, nicht lieblich, verschnörkelt, sondern einerseits klassisch, andererseits street art … Universell, offen … ein bisschen schräg. Keine Pastellfarben.“
So ein Satz ist kein Gerede, sondern erstaunlich präzise – man muss ihn nur ernst nehmen. „Nicht lieblich“ heißt: keine weichen Schatten, keine runden Ecken, keine Verläufe. „Street art“ heißt: der Grund ist Asphalt, nicht Papier; die Bilder hängen an einer schwarzen Wand. „Klassisch“ heißt: ihre Texte stehen auf hellen Bögen, die wie aufgeklebt wirken, gesetzt in einer ruhigen Serifenschrift. Und „keine Pastellfarben“ ist eine harte technische Ansage: Die beiden Signalfarben der Seite – ein Spray-Magenta und ein Bauzaun-Grün – sind aus ihren eigenen Bildern entnommen und werden nie aufgehellt.
Das „ein bisschen schräg“ steht sogar wörtlich drin: Wortmarke und Etiketten sitzen gut ein Grad aus der Achse. Wer im Systemmenü angegeben hat, dass er weniger Bewegung und Unruhe möchte, bekommt sie gerade gestellt.
Eine Wand, die sich bei jedem Besuch neu mischt
Sabines einziger konkreter Wunsch für die Startseite: aus allen Bildern soll bei jedem Besuch eine neue Zusammenstellung entstehen. Genau das tut sie – 60 Kacheln, jedes Mal anders gewürfelt, und die Kachelgröße richtet sich nach dem Format des Bildes. Der Satz darunter, „Neu laden – neues Mosaik“, ist der Knopf: schlicht ein Verweis auf dieselbe Adresse. Kein JavaScript, kein Zähler in der Adresszeile.
Sonst steht dort nichts. Kein Vorwort, kein Ausklang, keine Teaser – die Wand ist die Seite. Das war Sabines Entscheidung und im Rückblick die beste des Projekts.
Was am Handy schiefging – und wie wir es gefunden haben
Kurz nach dem Start kam eine Rückmeldung: Am Handy blieb rechts immer wieder eine Spalte schwarz. Am Schreibtisch war davon nichts zu sehen – der schlechte Fall lag genau dazwischen.
Statt zu raten haben wir gezählt. Der Grund steckte im Bestand: 74 Prozent der Bilder sind Querformate. Ein Querbild bekam eine doppelt breite Kachel; bei den drei Spalten einer typischen Handybreite belegt es zwei davon und lässt daneben eine Lücke, die nur ein hochkantes Bild schließen kann. Die gingen aus – und ab da blieb die dritte Spalte leer. Bei zwei Spalten trat das nie auf, bei zehn kaum.
Die Lösung war eine Zeile: Nur noch jedes zweite Querbild bekommt die breite Kachel. Bei 375 bis 430 Pixeln Breite sank der Anteil leerer Zellen von 15 auf 2 Prozent, und die Wand wurde nebenbei ein Drittel kürzer – 36 statt 54 Reihen für dieselben 60 Bilder. Ich schreibe das so ausführlich, weil es der Kern unserer Arbeitsweise ist: Ein Layout-Problem sieht man nicht an, man misst es. Ohne Zählen hätte ich am Seitenverhältnis gedreht und den Fehler nur verschoben.
Jedes Bild bekommt eine eigene Adresse
Auf der alten Seite gab es sechs Adressen für alles. Heute hat jedes einzelne Bild eine eigene – über 300, dazu 46 Serien mit je eigener Seite. Das ist der größte Gewinn: Ein Bild lässt sich verschicken, verlinken, in einer Andacht zeigen, ohne dass jemand erst scrollen und suchen muss. In der Großansicht blättert man innerhalb der Serie – mit Pfeilen im Bild, mit den Pfeiltasten oder per Wischen; die Pfeile zeigen nie ins Leere, am Ende wird umgebrochen.
Aus der Kuratierung kommt außerdem für jedes Bild ein Alt-Text – die Beschreibung, die vorgelesen wird, wenn jemand das Bild nicht sehen kann. Da will ich den Mund nicht zu voll nehmen: Meist ist es der Serien-Titel, und nur wo ein Bild in der Kuratierung einen eigenen Titel hat, steht dort etwas Eigenes. Besser als „IMG_2831“ allemal – aber im Formular lässt sich das bisher nicht je Bild pflegen, und genau da geht die Reise weiter.
Drei Sprachen ab dem ersten Tag
Deutsch, Englisch, Italienisch – nicht nachgerüstet, sondern von Anfang an, jede Sprache mit eigenen Adressen und sauber ausgezeichnet, damit Suchmaschinen die Fassungen einander zuordnen. Beim Übersetzen hilft ein Knopf in der Redaktion, der aus dem deutschen Text Vorschläge für Englisch und Italienisch macht; Sabine liest sie und entscheidet. Wie das technisch geht, habe ich an anderer Stelle ausführlicher beschrieben.
Öffentlich steht dazu ein einziger Satz im Impressum, in allen drei Sprachen: dass hier auf Deutsch geschrieben wird und die anderen Fassungen bisweilen mit maschineller Hilfe entstehen. Dezent, aber gesagt.
Sabine pflegt die Seite selbst
Das war Bedingung, nicht Zugabe: Ihr „Bild der Woche“ und ihre Serien legt sie selbst an, lädt Bilder hoch, schreibt die Texte. Die Maske ist entsprechend gebaut – Deutsch zuerst, über die volle Breite, und erst darunter, ruhiger gesetzt, die Übersetzungen. Sprach-Reiter wären der naheliegende Weg gewesen und sind bewusst nicht gewählt: Beim Übersetzen will man das Original sehen, erst recht beim Prüfen eines Vorschlags.
Ein Beitrag kann außerdem ein Datum in der Zukunft tragen. Dann wartet er – samt seiner Bilder, die bis dahin auch im Mosaik nicht auftauchen. Über seine eigene Adresse ist er trotzdem erreichbar, sodass sich eine Vorschau herumzeigen lässt, bevor sie öffentlich ist.
Die Originale bleiben bei ihr
Eine klare Ansage von Sabine: Ihre Originaldateien sollen nicht im Netz abrufbar sein. Der Upload rechnet deshalb jedes Bild auf Web-Größen herunter – höchstens 1600 Pixel – und verwirft das Original danach. Was auf dem Server liegt, ist die abgeleitete Fassung, mehr nicht. Das Neukodieren wirft nebenbei alle Metadaten weg, also auch Aufnahmeort und Uhrzeit.
Was unterm Strich herauskommt
Die Startseite lädt heute rund ein Drittel dessen, was die alte brauchte, bei weniger als einem Drittel der Anfragen. Jedes Foto wird vorab in moderne, schlanke Formate und in genau die Größen gerechnet, die ein Gerät braucht – das ist der ganze Trick.
Und was nicht drin ist, gehört genauso zum Ergebnis: kein Tracking, keine Statistik, kein Cookie-Banner. Die Seite zählt niemanden, deshalb muss sie auch nicht um Erlaubnis fragen. Für ein Bild-Text-Tagebuch ist das die passende Antwort – und für die Besucher die angenehmste.
Betrieben wird gedankenfotografie.ch verschlüsselt im Azure-Hosting bei CARECOM, auf demselben technischen Fundament wie die übrigen Seiten der Familie: eine gemeinsame Bibliothek für Dinge wie Anmeldung, Sitemap, Schriften und den „Nach oben“-Knopf. Eine Verbesserung am Fundament kommt allen zugute.